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baraj

stauseen, baraj: ein sich aufdrängendes thema in der türkei. sie sind überall.
berühmt berüchtigt ist das mega projekt in südostanatolien mit dem bau des illisiu-staudamms. rund 80 dörfer sollen in der wasserfläche verschwinden, was die vertreibung von 55.000 menschen aus ihren häusern und von ihrem land, ihrer lebensgrundlage bedeutet.
zweck des allgegenwärtigen dammbaus ist vor allem strom. und landwirtschaftliche bewässerung. überall im land wehen die grünen fahnen der dsi, des general directorate of the state hydraulic works. ziel ist  22% des energiebedarfs der türkei mit wasserkraft zu decken.
der landesreport der zuständigen staatlichen stelle benennt landenteignung und umsiedlung in einem satz als teil ihres aufgabenfeldes. ansonsten lesen sich die sozialen auswirkungen bei ihnen blumig: The water resources development projects of DSI are accepted as crucially important works for the improvements of the welfare and happiness of the people in the country. was gibts da noch zu sagen?

auch ein ungetrübt positiv technologisches zukunftsbild spricht aus dem arbeitsbericht. ökologische problemstellungen, folgen der landschaftlichen veränderung, tauchen nicht auf.

immer wieder stehen wir an stauseen. fahren an ihnen vorbei. viele seen, die unsere karte noch nicht kennt.
von fern oft wunderlich schön blau türkis, aus der nähe weht oft ein hauch endzeit über den ort. die farbe deutet an, das wenig im wasser lebt. der see selbst in die oberfläche gebuddelt, ein loch. karg oft. gebaute landschaft. roh.
ein immenser eingriff in die landschaft. und die großen staudämme haben wir nicht gesehn.

drei tage wohnen wir in einem staukrater. mit blick auf das wärterhäuschen mitten im see. ein merkkwürdiges technikfloss fährt einen tag herum und  pumpt wassser in einen tank oder anderes heraus. rätselhaft.

wir nehmen das wasser nur zur luftfilterreinigung. die familie, die auf der anderen seite wohnt, holt ihr wasser hier.

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